Wenn es vorbei ist, will ich mich nicht fragen,
ob ich aus meinem Leben etwas Besonderes gemacht habe, etwas Echtes.
Ich will mich nicht angstvoll und seufzend wiederfinden
oder voller Streitlust und eitler Argumente.
Ich möchte nicht als jemand enden, der auf dieser Welt nur ein Besucher war.
(Mary Oliver)

Was ist Schamanismus?

Abendstimmung mit TrommelDas tungusische Wort saman bedeutet „Wissender“ und bezeichnet einen Reisenden zwischen den Welten, der Geister befragt und Krankheiten kuriert, indem er mit der sog. Anderswelt in Kontakt tritt.

Weiter gefasst, lassen sich Schamanen als systemisch arbeitende Heiler beschreiben, die das Gleichgewicht eines Gemeinwesens, einer Familie bzw. Gruppe oder eines einzelnen Menschen bewahren und ggf. wieder herstellen helfen.

Geführt von den Selbstheilungskräften des Großen Ganzen, wird in einem geschützten Raum das Unheilsame oder Überkommene verabschiedet und ein neuer Weg eingeschlagen. Und weil letztlich doch alle Menschen gleich ticken, funktionieren die dafür entwickelten Werkzeuge der Prärieindianer Nordamerikas, der Indios und der afrikanischen Stammeszauberer ganz wunderbar auch bei uns.

Werkzeuge, wohlgemerkt. Schamanismus ist, wenn man den folkloristischen Kontext weglässt, keine Religion, sondern eine Sammlung kultureller Techniken, die uns lediglich verlorengegangen sind. Jedem Tierchen sein Plaisirchen: Wenn wir im Kreis beten, betet jeder zu dem Gott, der ihm am nächsten ist. Und wenn wir mit den Ahnen kommunizieren, dann sind es unsere Ahnen, nicht die der Lakota, die antworten.

Okay, und was macht man dann damit?


Sich entdecken

Schamanische Praktiken unterstützen den Menschen dabei, zu sich selber zu finden – zu seinem ureigenen Wesen und seiner Aufgabe auf diesem Planeten. Das Wissen um dieses wahre Sein ist stets in uns, jedoch meist verschüttet. Es Schritt für Schritt wieder auszugraben, ist eine absolut spektakuläre Erfahrung: wenn wir immer mehr in unsere Kraft kommen; wenn die Puzzleteilchen sich plötzlich wie von selbst zusammenfügen und wir feststellen, dass alles längst vorhanden ist, was wir für unseren Lebenstraum benötigen.

Grenzen überschreiten

Schamanische Praktiken öffnen die Lebensbücher eines Menschen durch Grenzerfahrung: Ob wir in der Schwitzhütte sitzen und meinen, vor Hitze beinahe zu vergehen; ob wir uns bei einer sog. „Nacht der Angst“ unter freiem Himmel den Elementen stellen oder bei einer Wildnis-Visionssuche tief in unsere Seele blicken – die Erfahrung knackt unsere Panzerung und ermöglicht Heilung und Veränderung. Wir haben die Schwelle überschritten und sind Eingeweihte geworden. Wir wissen nun, dass wir nicht so leicht kaputtzukriegen sind. Wir ahnen, dass wir uns nicht länger vor dem Leben zu verstecken brauchen.

Die Stimme wiederfinden

Mithilfe schamanischer Techniken findet der Mensch zurück zu seiner Stimme, zum lauten, freien, unverschämten Ausdruck seiner Existenz in ihrer ganzen Fülle. Wir entdecken unser ureigenes Bewegungsmuster im Trancetanz und unseren ganz individuellen Rhythmus im „Kreis der Kraft“. Wir erleben, wie es sich anfühlt, wenn das eigene ungezwungene Sein zu einem wertvollen Teil der Gemeinschaft wird; und schließlich finden wir auch unseren Donner wieder, das unerschrockene Brüllen unserer Seele, unsere Botschaft an die Welt: „Sieh her, es gibt mich!“

Das Medizinrad leben

Durch den Schamanismus gewinnen wir das uralte Medizinradwissen als Verbündeten. Wir lernen, die Kreisläufe des Lebens zu verstehen, in die wir eingebunden sind, vom Jahreskreis bis zu unserem Lebensweg, und uns dieses Verständnis zunutze zu machen. Wir erkennen, dass wir ganzheitliche Geschöpfe sind: zugleich Kopf- und Bauchmenschen, Geist- und Körperwesen; Krieger, Herrscher, Liebhaber, Magier – und Narren. Nur dann, wenn alle Richtungen unseres Rades in Balance zusammenarbeiten, sind wir gesund, kraftvoll und wirklich lebendig.


Die hier erwähnten schamanischen Methoden und Sichtweisen fußen auf der sog. „Süßen Medizin“ der Twisted Hairs, einer vermutlich mythischen, aber dennoch äußerst mächtigen schamanischen Tradition. Vermittelt wurden sie mir durch meine Lehrer Helmut Christof (www.gaia-net.de), Gerhard Popfinger (www.kreiszeit.de), Stefan Ulbrich (www.männerzeit.de) sowie last not least Stephan Schelbert und seine Frau Inge Vicedom (www.zgz-darstadt.de). Ein paar der zahlreichen Lehrmeister, die mir schwarz auf weiß weitergeholfen haben, findet Ihr hier unter Lesestoff.

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