Aus dem Weg!

KlonkriegWir konkurrieren miteinander um Dinge, die wir im Grunde gar nicht wollen, mit Mitteln, über die wir oft gar nicht verfügen. Das macht uns zu Blendern und chronisch Überforderten – und selbst, wenn wir damit durchkommen, bleibt die Zufriedenheit aus. Derweil liegt unsere angeborene Einzigartigkeit brach, bis nichts mehr von ihrer Magie zu spüren oder anzuzapfen bleibt.

Jeder von uns ist etwas Besonderes. Jeder von uns trägt sein ureigenes Geschenk an den Kosmos in sich – seine „Medizin“, wie es schamanisch heißt. Doch anstatt diese Medizin zu entdecken und zu entfalten, auf die die Welt bereits wartet, tun wir – allein gelassen mit unseren Ängsten und Impulsen – gemeinhin etwas, das zwar nachvollziehbar, aber trotzdem gaga ist: Wir orientieren uns an anderen, an der Masse. Wir hoffen, dass sich ein Weg, den alle oder zumindest viele gehen, auch für uns eignet; und ebenso das Ziel, an das uns dieser fremde Weg schließlich führen wird.

Gewagte Theorie – aber offenbar immer noch weniger furchteinflößend als die Vorstellung, seine Existenz auf der vagen Ahnung des eigenen Potentials zu gründen. Freilich ahnen wir zugleich, dass es uns nicht wirklich weiterhilft, wenn X oder Y irgendetwas erfolgreich und zufrieden bewerkstelligt haben – da wir ja nun mal nicht X oder Y sind. Doch wenn man hilflos im Wald steht, scheint eine falsche Karte immerhin tröstlicher als gar keine. Und um das Unbehagen zu betäuben, das dieser Schwindel in uns wachruft, gibt es ja Smartphones, Facebook, Netflix…

Dummerweise bedeutet dies auch, dass wir – wie eingangs erwähnt – mit zahllosen anderen Verirrten um Klischees konkurrieren: Beruf, Lebensstil, Aussehen etc.. Weil wir hinwollen, wo die anderen auch hinwollen, ist an unserem Zielort meist die Hölle los. Aber egal: Die längste Menschenschlange wird schon die richtige sein – so viele Leute können doch nicht falsch liegen. Doch, können sie.

Aus Individuen, die dank ihres ganz speziellen Wesens eher selten in direkter Konkurrenz zueinander gestanden hätten, werden unterschiedslose Drohnen, die sich nur noch durch Leistung voneinander abgrenzen können. Besonderheit ist dann nicht länger Geburtsrecht und Faktum, sondern muss verdient werden – durch endlose Ellbogenkämpfe um Platz 1; durch das freudlose Abrackern für einen Gegenwert, der ebenso belanglos und klischeehaft ist wie der Weg dorthin. Und genauso unbefriedigend.

Leben wir das Leben, das zu uns passt! Machen wir uns selbst zum Ausgangspunkt – unsere Talente, Vorlieben und Möglichkeiten, all das, was uns glücklich macht – und schauen, wo uns das hinführt. Denn dort sind wir zuhause, nicht da, wo alle anderen auch hintraben. Und dort wartet auch Erfolg ohne gefühlte Mühe auf uns. Nutzen wir die Besonderheit, die in uns steckt, anstatt diese Gottesgabe verdorren zu lassen und durch sinnfreies Gerangel zu ersetzen.

Ein Dasein, das uns nicht täglich wenigstens ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubert, passt nicht zu uns. Seine Annehmlichkeiten sind der Mühe nicht wert, und die Hoffnungen auf zukünftigen Lohn nichts als ein Lockmittel, das uns in der Tretmühle hält. Wenn die ersehnte Zukunft irgendwann zur Gegenwart wird, ist immer noch alles wie gehabt. Es gibt, um es mit Teddy Adorno auszudrücken, nun einmal kein richtiges Leben im falschen.

Flattr this!

Kommentar verfassen